Freitag, 30. Oktober 2026 & Samstag, 31. Oktober 2026,
Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, 8004 Zürich
Das Musik- und Filmprogramm beleuchtet die Verschmelzung traditioneller mit westlich geprägter neuer Musik in Marokko: Die elektroakustischen Kompositionen des marokkanischen Musikpioniers Ahmed Essyad (*1938), die in den 1970er-Jahren entstanden, schöpfen aus den Klängen der Volksmusik, wie sie Ende der 1950er-Jahre in marokkanischen Dörfern zu hören war. Der Schweizer Klangkünstler und -forscher Gilles Aubry hingegen arbeitet mit modularen Synthesizern und KI-basierten Klangquellen und knüpft dabei an ein marokkanisches Lied über Maschinen aus den 1930er-Jahren an. Beide Künstler verhandeln auf unterschiedliche Weise kulturelle, technische und politische Fragestellungen und eröffnen dabei faszinierend eigenständige klangliche Perspektiven. Einer visuellen Entsprechung dazu begegnen wir in den Filmen der marokkanischen Künstlerin und Kulturaktivistin Laila Hida. Ihre Arbeit widmet sich den Spuren von Erinnerung und Sehnsucht, die in Fragmenten, Bildern, Objekten und Gesten fortleben und sich zwischen Fakt und Fiktion bewegen.
https://earpolitics.net https://www.instagram.com/laila_in_transition
Elektroakustische Werke von Ahmed Essyad, Elektronik
«Toubkal» (1972)
bezieht sich auf den gleichnamigen Gipfel, der das Hohe Atlasgebirge überragt, die Wiege der Amazigh-Kultur. Der Titel ist eine Geste der Solidarität mit dieser stigmatisierten und bedrohten Kultur.
“Sultane” (1973)
ist das Ergebnis einer Reflexion über Erde und Boden. Inspiration dieser Komposition war ein Kriegslied, das in den 1950er-Jahren in Taza aufgenommen wurde.
Gespräch
im Anschluss an die zwei elektroakustischen Werke „Toubkal“ und „Sultane“
Moderation: Bettina Spoerri, auf Französisch mit deutscher Übersetzung
Die Musiker und Komponisten Ahmed Essyad und Gilles Aubry gewähren Einblicke in ihr Schaffen. Dabei stehen Fragen nach kultureller Identität, musikalischen
Wurzeln und dem Dialog zwischen unterschiedlichen Traditionen im Zentrum.
«L’Makina» (2023/2025)
Das Stück lotet die Möglichkeiten eines virtuellen Klangmodells aus, das in Zusammenarbeit mit Musikern aus Marokko entwickelt wurde. «L’Makina» bezieht sich auf ein Lied des Amazigh-Musikers L’Haj Belaid aus den 1930er-Jahren. Darin staunt dieser über die Fähigkeit des Fonografen, Sprache und Musik wiederzugeben, und fragt sich als Dichter, ob es überhaupt noch Sinn macht, weiterhin Verse zu verfassen. Diese Reflexion wirkt erstaunlich aktuell und berührt zentrale Fragen zum Verhältnis von Mensch, Maschine und künstlicher Intelligenz.
Sangeh Khara, Harter Stein
Marokko 2025, Farbe, 16 mm, Arab+F+E/e, 10'
Regie und Drehbuch Laila Hida.
Poetisch und zugleich politisch erkundet Laila Hida die Oasen-Landschaften im Süden Marokkos: die Wüste als Ort voller Geschichten und lebendiger Erinnerungen. Und gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit kolonialen und postkolonialen Orient-Vorstellungen.
Salam Godzilla
Marokko/Schweiz 2019, Farbe, DCP,
Berbersprachen+F+E/e, 40'
Regie und Drehbuch, Musik Gilles Aubry.
Gedreht im Kino Salam und in dessen Umgebung in Agadir, verdichtet der Film Archivaufnahmen, seismische Daten, Dinosaurierspuren an den Küsten der Region und ein Gedicht des Sängers Ali Faiq zu einer vielschichtigen filmischen Erzählung des verheerenden Erdbebens von Agadir im Jahr 1960. Der Zufall wollte es, dass in diesem Kino in jener Nacht ausgerechnet Godzilla, King of the Monsters! lief – ein ikonisches Werk über die von Katastrophen geprägte Moderne.
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Sandra Boss ist eine in Dänemark lebende Komponistin und Klangkünstlerin, die das Vertraute von neuen und überraschenden Seiten erscheinen lässt. Ihre Arbeit entwickelt sich an der Schnittstelle zwischen Performance und Installation, wo Maschinen und Instrumente zu Klangskulpturen werden. Mit elektronisch gesteuerten Orgeln, dem Klang gelöschter Kassettenbänder, selbstgebauten Erweiterungen des klassischen Instrumentariums, Bearbeitungen und Manipulationen alter elektronischer Geräte wird die musikalische Wahrnehmung der Wirklichkeit plötzlich auf nicht für möglich gehaltene Weise verändert. Die beharrliche, klangliche Neugierde scheint eine Arbeitsmethode zu sein, die sich wie ein roter Faden durch Boss’ Werke zieht. Ihre Arbeiten sind für ihre unverwechselbaren Klanguniversen bekannt, die sich nicht leicht kategorisieren lassen. Sie hat Werke für selbstgebaute oder umgebaute Instrumente wie eine MIDI-gesteuerte Pfeifenorgel und ein langgestrecktes Akkordeon geschaffen und Werke für Solomusiker, Ensembles und Chöre geschrieben.
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Ryoko Akama ist eine japanisch-koreanische Klangkünstlerin, Komponistin und Performerin. Sie arbeitet mit alltäglichen Haushaltsgeräten und scheinbaren Abfällen und benutzt dabei deren unsichtbare Energien wie Wärme, Magnetismus und Schwerkraft für ihre feingliedrigen installativ/performativen Arbeiten. Damit erzeugt sie fragile, stille Hörmomente, die sich in Zeit und Raum subtil manifestieren und so uns nicht nur auditiv, sondern auch visuell mitnehmen.
Am Festival tritt Akama in einer kollaborativen Arbeit mit der in Tokio lebenden interdisziplinären Künstlerin und Improvisatorin Elico Suzuki (suzueri) auf. In ihrer Arbeit kombiniert suzueri Musikinstrumente und selbstgebaute Geräte, um Performances und Ausstellungen zu inszenieren, die von Umwegen und Unruhe geprägt sind. Im Mittelpunkt stehen dabei die Dissonanzen im Zusammenspiel von Instrumenten und Körper sowie die erzählerischen Qualitäten, die durch den Aspekt der Latenz in der Kommunikationstechnologie entstehen.
https://ryokoakama.work
https://suzueri.org
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Marco Papiro: Tapes, Synthesizer
Marc Milohnic: Synthesizer
Der Basler Musiker Marco Papiro ist Musiker, Komponist, DJ und Grafiker. Seine Musik ist ein faszinierender Mix aus volkstümlichen, psychedelischen und klassischen Genres, die er zu leicht schwebenden, melodiösen Klanglandschaften verwebt. Dabei spielt seine grosse Sammlung an zum Teil historischen analogen Synthesizern und Effektgeräten eine wichtige Rolle, mit denen er neben seinen Klangtexturen auch Klänge synthetisierter menschlicher Stimmen hervorzaubern vermag.
Seine Kompositionen sind meist instrumental, meditativ und hypnotisch, aber zuweilen auch skurril und humorvoll.
Marco Papiro hat mit Musikern wie Mani Neumeier, Hans Koch, Gyða Valtýsdóttir oder Damo Suzuki zusammengearbeitet. Er ist auch regelmässiger Gast bei der psychedelischen Garagenband Roy & the Devil’s Motorcycle. 2005 gründete er zusammen mit dem Schlagzeuger Daniel Buess und Michael Zaugg die experimentelle Noise-Gruppe Mir.
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Clara de Asís ist eine Künstlerin und experimentelle Komponistin, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Akustik, Zeitlichkeit und der Praxis der Aufmerksamkeit beschäftigt. Ihre Arbeit befasst sich mit Fragen der Klangwahrnehmung und deren Prägung durch spezifische soziale und materielle Kontexte. Sie verwendet Elektronik und Klangsynthese in Verbindung mit eigenwilligen Kombinationen aus Fundstücken und traditionellen Instrumenten und schafft Werke in verschiedenen Formaten, darunter Performances, Audiostücke und Installationen.
Neben ihrer solistischen Tätigkeit hat sie in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern eine Vielzahl von Werken geschaffen, darunter interdisziplinäre Kooperationen in den Bereichen Film und Tanz. Zudem leitet sie die Verlagsplattform Discreet Editions in Wien und ist Co-Artistic Director des Göteborg Art Sounds Festivals.
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Lee Fraser beschäftigt sich kontinuierlich mit synthetischen Klängen und komplexen Hörerlebnissen. Der in Turin lebende englische Komponist fokussiert sich auf akusmatische Musik, in der Klang von seiner Kausalität losgelöst wird. Mit der Audio-Programmiersprache Csound kreiert er synthetische Klänge, die wir zunächst in unserer Hörerfahrung verorten können, die sich dann aber raffiniert bis zur Abstraktion zersetzen und sich einer Zuortbarkeit entziehen. Gerade diese Kontaktzone von konkreten und abstrakten Artikulationen interessieren ihn in seinem künstlerischen Schaffen besonders. Denn in dieser Liminalität entsteht die Fähigkeit, anders zu hören, in sich selbst neue Antennen, neue Sensoren, neue Empfindlichkeiten zu entdecken. Zuhören bedeutet für Fraser sich selbst neu zu entdecken, sich selbst zu verändern. Er wird uns im Walcheturm durch seine quadrophonische Computermusik auf diese transformatorische Reise mitnehmen.
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Ausgehend von ihrer Ausbildung im Bereich der Bildenden Kunst entwickelte sich Nik Colk Void zu einer kompromisslosen Stimme der zeitgenössischen elektroakustischen Musik. Als Mitglied in wegweisenden Formationen wie Factory Floor und Carter Tutti Void bricht sie in ihren Solo-Performances traditionelle Genres auf. Ihre Musik bewegt sich als eine raue, hypnotische Fusion aus Techno, Noise, modularer Synthese und abstrakter Komposition in einem faszinierenden Grenzbereich zwischen Clubkultur und Avantgarde. Ihre Konzerte sind improvisierte Live-Experimente, in denen sie aus analogen wie digitalen Werkzeugen eine unverkennbaren Klangsprache formt. Nach viel beachteten Veröffentlichungen auf Labels wie Mute und Editions Mego sowie internationalen Auftritten in der Tate Modern, im Centre Pompidou oder beim Sónar Festival bringt Nik Colk Void ihre performative Klangkunst nun zu uns auf die Bühne.
https://nikcolkvoid.com
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