Zwei Tage Strom

Festival für elektronische Musik

29. bis 31. Oktober 2026
im Filmpodium und Kunstraum Walcheturm

Audiovisionen aus Marokko 

Das Musik- und Filmprogramm beleuchtet die Verschmelzung traditioneller mit westlich geprägter neuer Musik in Marokko: Die elektroakustischen Kompositionen des marokkanischen Musikpioniers Ahmed Essyad (*1938), die in den 1970er-Jahren entstanden, schöpfen aus den Klängen der Volksmusik, wie sie Ende der 1950er-Jahre in marokkanischen Dörfern zu hören war. Der Schweizer Klangkünstler und -forscher Gilles Aubry hingegen arbeitet mit modularen Synthesizern und KI-basierten Klangquellen und knüpft dabei an ein marokkanisches Lied über Maschinen aus den 1930er-Jahren an. Beide Künstler verhandeln auf unterschiedliche Weise kulturelle, technische und politische Fragestellungen und eröffnen dabei faszinierend eigenständige klangliche Perspektiven. Einer visuellen Entsprechung dazu begegnen wir in den Filmen der marokkanischen Künstlerin und Kulturaktivistin Laila Hida. Ihre Arbeit widmet sich den Spuren von Erinnerung und Sehnsucht, die in Fragmenten, Bildern, Objekten und Gesten fortleben und sich zwischen Fakt und Fiktion bewegen.
https://earpolitics.net https://www.instagram.com/laila_in_transition


KONZERTE

Foto von Ahmed Essyad 


Elektroakustische Werke von Ahmed Essyad, Elektronik

«Toubkal» (1972) 
bezieht sich auf den gleichnamigen Gipfel, der das Hohe Atlasgebirge überragt, die Wiege der Amazigh-Kultur. Der Titel ist eine Geste der Solidarität mit dieser stigmatisierten und bedrohten Kultur. 

“Sultane” (1973) 
ist das Ergebnis einer Reflexion über Erde und Boden. Inspiration dieser Komposition war ein Kriegslied, das in den 1950er-Jahren in Taza aufgenommen wurde.

 

Gespräch
im Anschluss an die zwei elektroakustischen Werke „Toubkal“ und „Sultane“
Moderation: Bettina Spoerri, auf Französisch mit deutscher Übersetzung

Die Musiker und Komponisten Ahmed Essyad und Gilles Aubry gewähren Einblicke in ihr Schaffen. Dabei stehen Fragen nach kultureller Identität, musikalischen
Wurzeln und dem Dialog zwischen unterschiedlichen Traditionen im Zentrum.

 

Foto von Gilles Aubry
 
Gilles Aubry, modularer Synthesizer und Computer

«L’Makina» (2023/2025)
Das Stück lotet die Möglichkeiten eines virtuellen Klangmodells aus, das in Zusammenarbeit mit Musikern aus Marokko entwickelt wurde. «L’Makina» bezieht sich auf ein Lied des Amazigh-Musikers L’Haj Belaid aus den 1930er-Jahren. Darin staunt dieser über die Fähigkeit des Fonografen, Sprache und Musik wiederzugeben, und fragt sich als Dichter, ob es überhaupt noch Sinn macht, weiterhin Verse zu verfassen. Diese Reflexion wirkt erstaunlich aktuell und berührt zentrale Fragen zum Verhältnis von Mensch, Maschine und künstlicher Intelligenz. 

 

FILME

Filmstill


Sangeh Khara, Harter Stein
Marokko 2025, Farbe, 16 mm, Arab+F+E/e, 10'
Regie und Drehbuch Laila Hida.

Poetisch und zugleich politisch erkundet Laila Hida die Oasen-Landschaften im Süden Marokkos: die Wüste als Ort voller Geschichten und lebendiger Erinnerungen. Und gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit kolonialen und postkolonialen Orient-Vorstellungen.

Filmstill


Salam Godzilla
Marokko/Schweiz 2019, Farbe, DCP,
Berbersprachen+F+E/e, 40'
Regie und Drehbuch, Musik Gilles Aubry.

Gedreht im Kino Salam und in dessen Umgebung in Agadir, verdichtet der Film Archivaufnahmen, seismische Daten, Dinosaurierspuren an den Küsten der Region und ein Gedicht des Sängers Ali Faiq zu einer vielschichtigen filmischen Erzählung des verheerenden Erdbebens von Agadir im Jahr 1960. Der Zufall wollte es, dass in diesem Kino in jener Nacht ausgerechnet Godzilla, King of the Monsters! lief – ein ikonisches Werk über die von Katastrophen geprägte Moderne.